Therapie von Burnout

Die meisten Behandlungskonzepte von Burnout lassen sich auf die sog. „Vier E“ zurückführen:

E für Erkennen

der eigenen Behandlungsbedürftigkeit, deren Akzeptanz und Umsetzung in Handlung. Hier ist Information vonnöten und Unterstützung dabei, sich dem bisher Vermiedenen zuzuwenden und Hilfe anzunehmen. Dies ist oft der schwierigste Schritt.

E für Entlastung

im Sinne einer zunächst kurzfristigen, dann aber längerfristigen Reduktion oder Ausschaltung von Stressfaktoren. Kurzfristig kann dies
in Form eines Urlaubs, Krankenstandes oder Aufenthaltes in einer entsprechenden Einrichtung erfolgen. Die Entlastung schafft Raum für eine sorgfältige Analyse der Stressoren, der Entwicklung von entsprechenden Handlungsplänen, deren Umsetzung und Kontrolle.

E für Erholung

im Sinne von Entspannung und Ruhe bzw. Bewegung und anderen Aktivitäten zum Wiederaufladen der Energiespeicher. Hierher gehört die Aktivierung und Förderung von Ressourcen aller Art, sei es ein Wiederentdecken kreativer Fähigkeiten oder die Reaktivierung menschlicher Kontakte.

E für Ernüchterung

im Sinne der Wahrnehmung und situationsgerechten Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse, der Reduktion der eigenen Erwartungen auf ein realistisches Maß und der Abgrenzung gegenüber überzogenen Forderungen von außen.

Drei Phasen

Burnout-Behandlungen verlaufen in der Regel in drei Phasen:

  1. Krisenintervention mit Hilfe kurzfristiger Strategien,
  2. Analyse von Ursachen und Ressourcen mit der Entwicklung und Umsetzung von mittelfristigen Strategien,
  3. Arbeit an Stressmustern und Lebenskonzepten mit langfristigen Strategien.

nach: Harrer (2013) Burnout und Achtsamkeit, S. 220-221

Professionelle Hilfe

In vielen Fällen ist es sinnvoll, sich diesen Fragen mit professioneller Hilfe zu stellen. Die angemessenen Ansprechpartner unterscheiden sich je nach Phase des Burnout-Syndroms. Dies können sein

  • Vertrauenspersonen in der Arbeit
  • Coaches
  • Organsiationsberater_innen
  • Psychotherapeut_innen
  • Allgemeinärzt_innen
  • Fachärzt_innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin
  • eine stationäre Einrichtung (Links).

In fortgeschrittenen Stadien von Burnout kann auch eine Krisenintervention notwendig werden oder ein Krankenstand, der Entlastung und einen Ausstieg aus der belastenden Situation und den Teufelskreisen ermöglicht. Manchmal ist auch ein Aufenthalt an einem geschützten Rückzugsort sinnvoll. Dabei ist aber eine fachkundig-menschliche Begleitung vor Ort notwendig.

Maßnahmen zur Therapie und Vorbeugung

sind auf vier verschiedenen Ebenen möglich:

  1. auf der individuellen Ebene (körperlich und psychisch)
  2. auf der Ebene des Arbeitsumfeldes
  3. ev. auf der Ebene von Ausbildung und Fortbildung zur Erweiterung der Möglichkeiten zur Bewältigung er Herausforderungen
  4. ev. auch im  privaten Bereich (z.B. Reduktion zusätzlicher Belastungen, Inanspruchnahme von Hilfe)

Zur Prävention und Behandlung von Burnout werden unspezifisch nahezu alle in Psychotherapie und Coaching bewährten Methoden und Techniken eingesetzt. Die Burnout-Therapie gibt es nicht. Im Idealfall wird diese im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans individuell maßgeschneidert aus zwölf miteinander abgestimmten Bausteinen zusammengesetzt.

  1. Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung
  2. Beachtung körperlicher Grundbedürfnisse
  3. Entspannungstraining
  4. Stressmanagement
  5. Training sozialer, kommunikativer und emotionaler Kompetenzen
  6. Abbau unrealistischer Erwartungen, Rollenklärung und Zeitmanagement
  7. Neue Gewichtung der Lebensbereiche und Rollen
  8. Achtsamkeitsbasierte Verfahren wie MBSR, MBCT, ACT, Hakomi, Focusing oder IFT
  9. Supervision, Coaching und Psychotherapie
  10. Förderung von Gesundheit und Schutzfaktoren
  11. Psychopharmakotherapie
  12. Organisationsbezogene Ansätze

nach: Harrer (2013) Burnout und Achtsamkeit, S. 222-235


Wenn man auf alte Heilungstraditionen blickt, so wird dort etwas praktiziert, was man modern als multimodale Behandlungskonzepte bezeichnen würde. So setzt sich die Behandlung von Krankheiten bei den Kahunas, den hawaiianischen Schamanen, aus vier Komponenten zusammen: Gespräch, Kräutermedizin, Massage und Gebet:

Unter Gespräch würde all das fallen, was in westlichen Kontexten Psychotherapie, Coaching oder Beratung genannt würde; Kräutermedizin wären von pflanzlichen Heilmitteln über Nahrungsergänzungsmittel und Antioxidantien etc. bis hin zu Psychopharmaka; unter Massage würden alle Körpertherapiemethoden fallen, die mit Berührung einhergehen; unter Gebet fiele all das, was die Sinndimension, Spiritualität oder Religion ansprechen würde oder einfach auch menschliche Verbundenheit.

In diesem Sinne wäre es sinnvoll, sich ganzheitlich beraten zu lassen und einzelne Therapiebausteine individuell zusammen zu stellen. Die Schwierigkeit besteht häufig darin, dass einzelne Anbieter dazu neigen, insbesondere das eigene Angebot in den Vordergrund zu stellen. Die Achtsamkeit kann dabei helfen, die Auswirkungen einzelner Maßnahmen an den eigenen Maßstäben zu messen und zu prüfen und sich die Freiheit zu geben, all das zu unterlassen, was einem selbst nicht heilsam erscheint und all das zu tun, was heilsam ist.


Zur Orientierung

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