Symptome

Symptome von Burnout

Es gibt im Querschnitt, in der Momentaufnahme kein einziges Symptom, das allein für Burnout charakteristisch wäre. Es ist vielmehr eine Kombination von Symptomen, die sich über eine längere Zeit hinweg im beruflichen Umfeld entwickeln. Einige Verhaltensweisen können als Auswirkungen, andere als Bewältigungsversuche verstanden werden. Die folgende Aufzählung gibt einen Überblick über potentielle Symptome bei einem Vollbild von Burnout.

Im Innenleben macht sich emotionale Erschöpfung breit. Die Stimmung wechselt, ist oft gedrückt bis depressiv, hat manchmal eine ängstliche Tönung, ohne dass man genauer Auskunft darüber geben könnte, was man befürchtet. Oft ist die Angst aber durchaus klar zuzuordnen. Betroffene können angespannt, ungeduldig und gereizt, aber auch weinerlich sein; bei kleinsten Auslösern werden sie von Gefühlen überschwemmt. Sie können sich kraftlos, hilflos und ohnmächtig fühlen. Sie fühlen sich insuffizient und als Versager, haben Schuldgefühle und ein geringes Selbstwertgefühl. Alles scheint sinnlos und hoffnungslos. Sie sind sehr mit sich selbst beschäftigt, oft mit Tagträumen. Sie fühlen sich gefangen und einsam. Als Ausweg tauchen Suizidideen auf. Die geistige Leistungsfähigkeit ist beeinträchtigt, es fällt schwer, sich zu konzentrieren, sich etwas zu merken und sich zu entscheiden. Die Frustrationstoleranz ist vermindert, das Denken ist eingeengt, starr und schematisch.

Burnout macht sich auch durch körperliche Symptome bemerkbar. Man fühlt sich chronisch müde, erschöpft und körperlich schwach, unsicher und schwindlig, oft zugleich von Unruhe getrieben. Oft sind einzelne Organsysteme intensiver betroffen, manche Menschen reagieren auf Belastungen mehr mit muskulärer Anspannung, bei anderen ist es das Herz-Kreislaufsystem, bei wieder anderen sind es das Magen-, Darm-, das Atmungs- oder das Urogenitalsystem. Häufig verschlimmern sich vorbestehende Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes, man wird anfälliger für Infektionskrankheiten, der Husten, der Schnupfen und die Grippe werden hartnäckiger, man braucht länger, um sich zu erholen.

Wenn das Muskelsystem reagiert, spüren dies die meisten Menschen im Hals- und Nackenbereich, und es kommt zu Spannungskopfschmerzen. Bei anderen ist der Rücken verspannt und schmerzt, wieder andere beißen die Zähne zusammen und knirschen in der Nacht. Manchmal werden Muskelzuckungen sichtbar. Der Magen-Darmtrakt meldet sich mit Übelkeit, Verstopfung, Durchfall oder Magengeschwüren. Das Herz macht sich mit Herzklopfen bemerkbar, es schlägt schneller, der Blutdruck steigt. In Kombination mit einem erhöhten Serumcholesterinspiegel steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Bei vielen Menschen zeigt sich Anspannung als ein Gefühl von leichter Atemlosigkeit, manche hyperventilieren. Bei Frauen wird der Menstruationszyklus unregelmäßig und prämenstruelle Spannungen verstärken sich. Männer leiden unter Libido- und Potenzstörungen. Ohrgeräusche können neu auftreten oder störender werden. Als erstes Warnsymptom sind Schlafstörungen bedeutsam. Man kann nicht abschalten und nicht einschlafen, man erwacht früh und ist sogleich wieder hoch aktiviert. Nicht selten wird der Schlaf von Albträumen begleitet. Auf der anderen Seite kann sich Burnout als übermäßiges Schlafbedürfnis zeigen, man sehnt sich danach, sich ins Bett zu verkriechen, kommt am Morgen kaum aus dem Bett.

Im Verhalten werden Betroffene oft überaktiv und impulsiv, zugleich zaudern sie. Sie konsumieren vermehrt Kaffee, Alkohol, Beruhigungsmittel, Aufputschmittel oder Drogen und sie rauchen mehr. Sie essen oft mehr, indem sie die Nahrung in sich hineinschaufeln oder sie essen weniger, wenn sie sich zum Essen keine Zeit mehr gönnen und Hungergefühle nicht mehr wahrnehmen. Durch unaufmerksames oder risikoreiches Verhalten etwa beim Sport oder Autofahren steigen die Unfall- und Verletzungsgefahr. Positive Motivationen, Engagement, Eifer und Idealismus gehen verloren. Sie weichen einer Desillusionierung, Enttäuschung und Resignation. Folgen sind Demoralisierung und Langeweile.

Mit ihrem Beruf sind die Betroffenen unzufrieden, fühlen sich zu wenig oder gar nicht anerkannt, sie misstrauen dem Management, den Kollegen oder Vorgesetzten und werden zynisch. Bei ihrer Arbeit sind sie weniger effektiv, Qualität und Produktivität nehmen ab, es passieren häufiger Fehler. Sie arbeiten langsamer, kommen nicht zur Arbeit, sind häufiger im Krankenstand oder wechseln den Arbeitsplatz. Sie sind nicht in der Lage, sich und ihre Arbeit zu organisieren, haben ein schlechtes Zeitmanagement und schauen häufig auf die Uhr. Sie fühlen sich in hohem Maße abhängig von ihren Vorgesetzten und widerstehen zugleich allen Versuchen, etwas zu verändern.

Die Veränderungen im zwischenmenschlichen Bereich können sich nicht nur gegenüber Klienten zeigen, sondern – speziell in fortgeschritteneren Stadien – auch in den Beziehungen innerhalb der Familie und im Freundeskreis. Die Betroffenen sind leicht irritierbar und übersensibel, manchmal wirken sie aber auch cool, gefühllos und unerreichbar. Die Wahrnehmung anderer Menschen verändert sich in Richtung Zynismus und Dehumanisierung, Einstellungen werden negativ und pessimistisch. Sie sind weniger dazu bereit und in der Lage, sich in andere einzufühlen und sich in ihre Welt hineinzuversetzen. Sie pressen sie in stereotyp vorgefertigte Bilder, was sich speziell in helfenden Berufen bemerkbar macht. Sie beschuldigen ihre Klienten und äußern sich ihnen gegenüber abwertend. Zugleich umgeben sie sich mit einem Nimbus von Grandiosität und Unfehlbarkeit. Wenn sie selbst misstrauisch sind, projizieren sie dieses Misstrauen oft auf andere und fühlen sich daher z. B. von Mitarbeitern verfolgt. Sie erleben sich dann selbst als Opfer oder Märtyrer. Aus dieser Grundstimmung heraus verstärkt sich das Misstrauen, es geht in Feindseligkeit über, die sich wiederum auf das Verhalten der anderen auswirkt und nicht selten die ihnen unterstellte Ablehnung bestätigt. Das Verhalten wird aggressiver bis hin zu Wut- und Gewaltausbrüchen, sowohl im Arbeitsbereich als auch in der Familie, was wiederum zu zusätzlichen Konflikten führt. Um diesen Konflikten aus dem Weg zu gehen, ziehen sich die Betroffenen zurück und isolieren sich, schotten sich ab oder klammern sich an einzelne Personen. Gegenüber ihren Klienten reagieren sie automatenhaft mechanisch, es gelingt ihnen nicht mehr, ihre eigenen Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit zu verbergen. Sie sind eifersüchtig oder voller Schadenfreude. Die Motivationslage ist durch Interessenverlust und Mutlosigkeit gekennzeichnet. Gegenüber ihren Klienten sind sie entweder gleichgültig oder überengagiert, Grenzen verschwimmen, es kommt zu Verwicklungen. Manchmal werden Klienten dazu missbraucht, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

aus: Harrer (2013) Burnout und Achtsamkeit

Eine Vielzahl von Studien beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Burnout, dem vegetativen Nervensystem, dem Hormonsystem und dem Immunsystem.

Checklisten Burnout (Fonds gesundes Österreich)

Burnout

Burnout

Diese Website gibt einen Überblick über die Entwicklung von Burnout (Stadienmodelle), wie sich Burnout zweigt (Symptome), welche Vorstellungen es über die Entstehungsbedingungen gibt (Erklärungsmodelle), beleuchtet Burnout bei unterschiedlichen Belastungen und in verschiedenen Berufen, informiert über Möglichkeiten Prävention von Burnout, Wege heraus (Therapie), den Wiedereinstieg nach Burnout, über die Messung von Burnout, die Forschung zu Burnout, über Schlüsselbegriffe rund um Burnout und über die Geschichte des Begriffs Burnout.

Doch zunächst zur Definition von Burnout:

Was ist Burnout?

Es gibt keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition von Burnout!

Arbeitshypothesen zur Beschreibung lassen folgende Gemeinsamkeiten feststellen:

  • Bei Berufsbeginn besteht eine hohe Motivation, die verloren geht.
  • Frustration, weil Erwartungen und Ziele nicht erreicht werden. Daraus resultiert Enttäuschung. Im Falle von Burnout wird die Enttäuschung durch Depersonalisierung verarbeitet.
  • Ungünstige Arbeitsumgebung, das heißt zu hohe oder widersprüchliche Anforderungen bei nicht ausreichenden Ressourcen.
  • Ineffektive Bewältigungsstile der Betroffenen, die oft zu zusätzlichen Problemen führen (z.B. Verleugnung, Rückzug, Sucht).
  • Burnout ist ein Prozess, der sich nach einer langen und erfolglosen Auseinandersetzung einer Person mit ihrer Arbeit ergibt.

Weitere Definitionen als Arbeitshypothesen

  • Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand „normaler“ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (Distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann den betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht. (nach Schaufeli & Enzmann 1998)
  • Der Wandel „von anfänglich aufopferungsvollen, engagierten und pflichtbewussten, zu schnell erschöpften, leicht reizbaren, misstrauischen, den KlientInnen gegenüber zu zynischen bis negativen Einstllungen und rigidem Verhalten neigenden MitarbeiterInnen“ (nach Freundenberger 1974 zit. nach Raddaz, Peschers 2007).
  • Burnout ist die Reaktion auf chronische emotionale und zwischenmenschliche Stressoren am Arbeitsplatz. Es beginnt mit emotionaler Erschöpfung, es folgen die Depersonalisierung und reduziertes Wirksamkeitserleben bzw. reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit (nach Maslach).

In der im Mai 2019 beschlossenen neuen Klassifikation der Krankheiten der WHO (ICD-11) wird Burnout als Syndrom beschrieben – nach wie vor im Abschnitt über Faktoren, die zur Inanspruchnahme des Gesundheitssystems führen, und NICHT als eigenständige Krankheit:

Burnout ist ein Syndrom, das konzipiert wurde als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich gehandhabt werden konnte. Es ist charakterisiert durch drei Dimensionen: 1) Gefühl von Energiemangel oder Erschöpfung; 2) innere Distanzierung von der Arbeit, negative Gefühle und Zynismus im Zusammenhang mit der Arbeit; und 3) verminderte berufliche Wirksamkeit. Burnout bezieht sich speziell auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen angewendet werden (Übersetzung durch den Autor der Website)

Im Original ist das folgendermaßen formuliert:

Burn-out is a syndrome conceptualized as resulting from chronic workplace stress that has not been successfully managed. It is characterized by three dimensions: 1) feelings of energy depletion or exhaustion; 2) increased mental distance from one’s job, or feelings of negativism or cynicism related to one’s job; and 3) reduced professional efficacy. Burn-out refers specifically to phenomena in the occupational context and should not be applied to describe experiences in other areas of life.